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Guter Hirt in Hildesheim und nun auch in Sarstedt

Eine Organisation, die Armut ein Gesicht gibt und viel Solidarität hervorruft.

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Mit der Gründung des „Guten Hirten Sarstedt“ im Mai 2021 wurde der Name der katholischen Gemeinde im Fahrenheitgebiet Hildesheim zur Marke über Hildesheim hinaus und damit zum Namen für eine erfolgreiche und gut organisierte, caritative Organisation, die „Armut ein Gesicht gibt“ wie es Diakon Andreas Handzik auf einen Nenner bringt. „Erfolg“ hat im Fall des Guten Hirten zwei Gesichter: im positiven Sinn, weil sich der „Gute Hirte in Hildesheim“ (Gründungsjahr 1991) mit dem ständig wachsenden Bedarf so weiterentwickelt hat, dass es inzwischen nicht mehr nur eine warme Mahlzeit in der Woche wie zu Beginn, sondern auch eine Kleiderkammer, einen täglichen, warmen Mittagstisch mit durchschnittlich 90 Gästen und die Lebensmittelausgabe „Zweites Netz“ an vier Tagen in der Woche gibt. Nicht so positiv ist, dass es tatsächlich entsprechend des Bedarfs notwendig war und ist, stets weiter zu wachsen.

In Hildesheim sind aktuell 1200 bis 1300 Ausweise an Bedürftige (Haushalte) ausgegeben, manche kommen wöchentlich, manche punktuell oder nur am Monatsende, wenn das Geld knapp wird. Ungefähr 500 Lebensmitteltüten werden in der Woche gepackt. Auch in Sarstedt ist der Trend für die im Moment noch vierzehntägig stattfindende Lebensmittelausgabe ansteigend: wurden zu Beginn noch 23 Tüten verteilt, hat sich die Anzahl der ausgegebenen Tüten inzwischen verdreifacht, gelistet sind während eines halben Jahres schon knapp 100 Haushalte. „Eigentlich eine traurige Bilanz“, stellen Diakon Dr. Peter Abel und die ehrenamtlich engagierte Marina Seidel fest und wundern sich, dass die Nachfrage tatsächlich so groß ist. „Dabei ist die Schamgrenze, Hilfe in Anspruch zu nehmen z.B. bei Rentner*innen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, enorm hoch“, sagt Andreas Handzik.

Der Diakon ist zwar schon seit 9 Jahren als Nachfolger von Diakon Otto im Fahrenheitgebiet tätig, aber von einer Routine kann keine Rede sein. Im Gegenteil, er beschreibt seine Arbeit als „ständiges Tun“.„Du kannst nur reagieren, was kommt – kommt“ und auf die Frage, ob denn eine Projektplanung dann völlig überflüssig sei, bestätigen sowohl er wie das Sarstedter Team, dass das schon wichtig sei, eine Planung sich aber ständig dem Tagesgeschehen anpassen müsste. Eine dauerhafte Herausforderung sei zum Beispiel die Lagerfläche – trotz der großen, 2010 neu gebauten Halle in Hildesheim. In Sarstedt wird in einem separaten Gemeinderaum der Heilig Geist-Gemeinde gelagert, die Ausgabe ist im Sozialen Kaufhaus in der Holztorstraße 32. Schon allein deshalb hatte die „Ausgründung“ Guter Hirt Sarstedt einen positiven Nebeneffekt: Kommen zu viele Eier oder Lebensmittel, die nicht lange halten, wird jetzt auf zwei Standorte verteilt. Frisches und Obst/ Gemüse erhält Sarstedt sowieso schon standardmäßig aus Hildesheim.

Der Gute Hirt Hildesheim ist nach den vielen Jahren quasi unternehmerisch tätig, allein die Auto-Flotte und die vielen Mitarbeiter*innen in unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen machen deutlich, dass ein hauptamtliches Management notwendig ist, um den Laden am Laufen zu halten. Neben dem logistischen Know How und der sozialen Kompetenz, allen Mitarbeiter*innen und Gästen auf Augenhöhe begegnen zu können, zeichnet aber auch das kirchlich-christliche Selbstverständnis die Arbeit des Diakons aus. „Wir wollen nicht missionieren und pflegen einen religionssensiblen Umgang. Religion und Glauben ist hier ganz niedrigschwellig, eher eine Haltung gegenüber den Menschen, die kommen, und hier so etwas wie eine Familie haben: Wertschätzung und Respekt. Spenden werden nicht weggeworfen, sondern es wird getauscht, wenn etwas in der Tüte ist, das nicht passt. „Kommt es zu einem Trauerfall, bin ich als Diakon gefragt“ so Handzik, „es gab schon einige Trauerfeiern in der Kirche.“ In Sarstedt ist der Gute Hirt noch stark ehrenamtlich geprägt: 15 Freiwillige sind in der Lebensmittelausgabe tätig und 4 im Organisationsteam. Dazu Diakon Abel als Initiator und hauptamtliche Kraft, der allerdings in einem großen Gemeindegebiet von Nordstemmen, über Gießen und Sarstedt noch viele andere Aufgaben hat.

Ehrenamt bekommt beim Guten Hirten neben dem klassischen Bild des freiwilligen Engagements für ein gemeinnütziges Ziel noch eine weitere Bedeutung. Für viele Mitarbeiter*innen bietet das Ehrenamt beim Guten Hirten die Möglichkeit überhaupt eine (sinnvolle) Tätigkeit auszuüben, eine Tagesstruktur zu haben und Wertschätzung zu erfahren, allein über die Tatsache in Arbeit und damit auch Teil eines Teams zu sein.

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2021_12GuterHirtFussballundKreuz

Beim Guten Hirten wird Toleranz ganz praktisch gelebt: Kreuz, Schal und Vereins-Fahne in bunter Vielfalt vereint.


Und da der „große“ Gute Hirte in Hildesheim und der „kleine“ Gute Hirte in Sarstedt täglich auf Spenden angewiesen sind, sei zu guter Letzt noch auf die Kontaktmöglichkeiten hingewiesen:

Guter Hirt Hildesheim

Altfriedweg 2-4, Tel.: 05121-52567, E-Mail: pfarrgemeinde@guterhirt.de, Homepage: www.guterhirt.de

Guter Hirt Sarstedt

Spendenabgabe: Soziales Kaufhaus (Mo-Fr 10.00-18.00 Uhr, Ostertorstraße 32) oder Heilig-Geist-Kirche (tägl. 9.00-18.00 Uhr)

Kontakt: E-Mail: guter-hirt-sarstedt@gmx.de, Homepage: www.heilig-geist-sarstedt.de

Magdalene Martensen (Freiwilligenagentur Spontan in Sarstedt)


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