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Vereine los!

Das soziokulturelle Projekt „Vereine los!“ wurde im Frühjahr 2020 vom KulturKreis Gronau e.V. gestartet. Ziel war es, das regionale Ehrenamt zu stärken, die Vernetzung der Vereine zu fördern, wichtiges Know-how zur Verfügung zu stellen und die Vielfalt des freiwilligen Engagements vor Ort zu präsentieren.

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Von den Ergebnissen des Projekts können sich auch andere inspirieren lassen. Um die Vielfalt der Vereinsarbeit sichtbar zu machen, wurde in Zusammenarbeit mit Radio Tonkuhle und dem  KulturKreis Gronau e.V. eine Podcast-Reihe zu aktuellen Themen rund um Vereinsleben und Ehrenamt produziert. Dazu wurden sechs Vereine interviewt (u.a. derHeimatverein Külftal e.V. und der Chor Eime)

Reinhören und anschauen unter www.kulturkreisgronau.de oder www.youtube.com

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Vorweg stand die Frage, was Vereine in der Samtgemeinde Leinebergland stark macht und gut gewappnet sein lässt für die Zukunft, aber auch, was sie herausfordert und ihnen Kopfzerbrechen bereitet.

Viele verschiedene Vereine aus unterschiedlichen Bereichen sehen sich vor ähnliche Herausforderungen gestellt. Oft wurden genannt:

  • Schwindende Mitgliederzahlen, v.a. zu wenig junge Leute im Verein
  • Abnehmende Bereitschaft und Kapazität der Mitglieder, Ämter oder kontinuierliche Verantwortung zu übernehmen
  • Verändertes Freizeitverhalten der (potenziellen) Ehrenamtlichen: Bitte keine regelmäßigen Sitzungen übers ganze Jahr!
  • Unsicherheiten rund um die Digitalisierung (Kommunikation untereinander und mit der Öffentlichkeitsarbeit, geltende Rechtslage, digitale Angebote und Arbeitstechniken)

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Viele Vereine und Initiativen haben jedoch auch schon interessante Strategien und neue Formate gefunden, die auch anderen helfen können, sich fitzumachen für die Zukunft.

Zehn Tipps für Vereine wurden von Silke Pohl und Elisa Kneisel erarbeitet:

  •  Kräfte vor Ort besser bündeln und übergreifend Netzwerkarbeit betreiben

Die personellen Ressourcen werden in den meisten Vereinen eher weniger denn mehr. Arbeiten Sie in Netzwerken. Arbeiten Sie zusammen. Nicht gegeneinander. Wenn Ihre Ortschaft sehr klein ist – schauen Sie über den Tellerrand/die Ortsgrenze/Stadtteilgrenze, wo andere Gruppen mit ähnlichen Interessen sind.
Tauschen Sie sich regelmäßig und offen mit anderen Vereinsvertreter*innen aus – das inspiriert, belebt und ist effizient. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen etwas abgeguckt wird. Es braucht keine Geheimrezepte, die Sie für sich behalten.

  •  Mitglieder finden

Erkennen Sie Ihre wahren Zielgruppe(n)! Fragen Sie sich: Für wen ist unser Angebot tatsächlich interessant und warum? Gewinnen Sie ein genaues Bild von Ihren „Prototypen“ Wo tummelt sich diese Zielgruppe aus welchen Gründen? Suchen Sie gezielt dort. Beispiel Kulturkreis: die Zielgruppe sind nicht Jugendliche, sondern Ü50

  • Gemeinsam mit Ehrenamtlichen denken und individuell planen

Suchen Sie nicht nach Personen, die für Ihren Verein eine Aufgabe erledigen, bieten Sie Menschen an, mitzugestalten, selbst Ideen einzubringen und diese auch gleich selbst mit umzusetzen – das ist effizienter und macht vor allem allen Beteiligten mehr Spaß. So können Sie sie für eine Mitarbeit begeistern und sie haben nicht das Gefühl, Ihnen einen Gefallen zu tun. Gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt vor Ihrer Haustür: Hören Sie von Ideen und Wünschen, die andere haben und die Sie unterstützen können, greifen Sie sie auf und bieten Sie ihnen an, sie im Rahmen Ihres Vereins/Ihrer Initiative zu verwirklichen! Es gilt also, das Gestaltungsinteresse und den -willen Ihrer Zielgruppe herauszufinden, sie genau da abzuholen und zu aktivieren. Lassen Sie sie mitwirken!

  • Zeiten ändern sich – lebe damit

Früher war’s nicht besser – nur anders. Interessen, Zeitressourcen etc. der Menschen ändern sich. Beobachten Sie diese Veränderungen, bewerten Sie sie nicht automatisch negativ. Entscheiden Sie sich, sie anzunehmen, sich ihnen zu stellen und mit der Zeit zu gehen, oder entscheiden Sie sich, beim Althergebrachten zu bleiben – mit der Konsequenz, dass Ihr Angebot irgendwann weniger gefragt ist. Beide Wege sind möglich. Aber: Lieber aktiv entscheiden und handeln, statt später frustriert sein.

  • Veränderung braucht Zeit

Wenn Sie sich entschieden haben, in Ihrem Verein etwas zu verändern, gehen Sie zunächst einen zentralen Aspekt konkret an, nicht viele gleichzeitig. Konzentration und Fokussierung schützen vor Überforderung und Frust. Denn jede Veränderung braucht Zeit und kontinuierliche Arbeit

  • Motoren nutzen

Oft bringen Menschen, die neu oder wieder in Ihren Ort ziehen oder neu zu Ihrer Institution stoßen, gute Ideen und Energien mit. Vielleicht haben sie Lust und Kapazität, „Motor“ für ein bestimmtes Projekt oder einen bestimmten Bereich zu sein, in dem sie sich vielleicht sogar schon gut auskennen? Sprechen Sie sie an und finden Sie es heraus!
Helfen Sie, dafür zu sorgen, dass der Funke überspringt; oder kalkulieren Sie mit ein, dass der Motor irgendwann nicht mehr läuft.

  • Individuelle Wertschätzung

Die Währung, in der auch ein Ehrenamt vergütet werden will, ist Wertschätzung, egal, wie alt die jeweilige Person ist.Dabei zählen nicht die großen Gesten, sondern vielmehr das „Sehen“ der individuellen Leistung und Ihre authentische Haltung beim Dank. Es geht nicht um den Blumenstrauß, sondern das Erzählen und die Berichte, Bilder in der Öffentlichkeit.

  • Nachwuchsarbeit

Es bedarf Kontinuität. Anhaltendes Engagement und Energie sind zu investieren, damit keine Lücke entsteht. Es braucht Zeit, Mundpropaganda junger Menschen und eine wahrhaft zugewandte Haltung ihrerseits. Kinder/Jugendliche lassen sich nicht dauerhaft von Eltern/Großeltern „schicken“; sie müssen etwas finden, das sie begeistert und wo sie ernst genommen werden

  • Social Media muss sein

Selbst „mittelalte“ Leute haben heute nicht mehr automatisch ein Zeitungsabo. Wenn Sie Menschen für Ihren Verein und seine Angebote interessieren wollen, müssen Sie auch andere Wege gehen. Damit Sie sich dabei nicht aufreiben, zuerst eruieren: Welchen Kanal nutzt Ihre Zielgruppe tatsächlich? Hat Ihr Verein Zeit, diesen regelmäßig zu bespielen? Sich reinzuarbeiten, ist gut machbar, aber wer bleibt dran?

In den Sozialen Medien zählt Interaktion mehr denn Information. Social-Media-Kanäle setzen auf Kommentieren, Liken, Teilen, Interagieren und nicht auf reine Informationsmitteilung – Infos am besten kurz und knackig mit aussagekräftigen Bildern. Dies ist auch eine gute Möglichkeit, um die Vereinsjugend aktiv einzubinden, denn die Jugendlichen sind natürlich Expert*innen für die Plattformen, auf denen sie und ihre Freund*innen sich bewegen.

  • Think forward and think big!

Auch wenn es zurzeit gut mit Ihrem Verein läuft, schadet es nicht, sich immer wieder einmal zu fragen: Wie könnte es in ein paar Jahren weitergehen? Was macht eigentlich den Kern unseres Vereins aus? Was sind zum Beispiel aktuelle Entwicklung im Freizeitverhalten der Menschen oder in der Digitalisierung? Und wie können wir passend agieren, nicht nur reagieren?

Sich regelmäßig mit der Zukunftsfähigkeit der eigenen Strukturen auseinanderzusetzen und durchaus mehrere Jahre in die Zukunft zu denken, hilft dabei, frühzeitig mit Veränderungsprozessen zu beginnen und sich nicht davon übermannen zu lassen. Dabei kann es sich lohnen, ruhig einmal groß, übergreifend und unkonventionell zu denken!

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Am Ende des Projekts gab es zwei Themenworkshops: „Fragen und Antworten rund ums Geld“ und „Wirkungsvolle Vereins-Kampagnen auf Facebook und Instagram gestalten“, deren wesentliche Inhalte hier kurz zusammengefasst sind:

 

Fragen und Antworten rund ums Geld

Chris Mielke (Beraterin des Landesverbandes Soziokultur Niedersachsen und Geschäftsführerin des soziokulturellen Zentrums Brunsviga in Braunschweig) hatte das Motto „all you can need“. Es wurden verschiedene Grundsätze der gemeinnützigen Vereinsführung besprochen. Die Expertin empfiehlt allen bereits bestehenden Vereinen oder an einer Vereinsgründung Interessierten das persönliche Gespräch mit potenziellen Förderern wie Stiftungen, dem Land Niedersachsen, Institutionen und Kommunen, um Fördermöglichkeiten gemeinsam zu ermitteln.

Anlaufstellen können sein:

 

Der Vorstand eines Vereins muss mittlerweile nur noch aus mindestens zwei Personen (Geschäftsführer*in und stellvertretende*r Vorsitzende*r) bestehen.

Sofern dies in der Satzung steht, können die Mitglieder und der Vorstand für ehrenamtliche Tätigkeiten entlohnt werden. Diese Ehrenamtspauschale kann in Höhe von bis zu 840€ im Jahr gezahlt werden. Die Übungsleiterpauschale kann als Honorar für kurzfristige Dienstleistungen innerhalb eines Vereins ausgezahlt werden. Sie bewegt sich im Rahmen von 3000€ im Jahr pro Person, die unter 13 Stunden wöchentlich arbeitet.

Für den Erhalt der Gemeinnützigkeit ist es wichtig, eingenommene Gelder aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen, Fördergeldern und Einnahmen für die Zweckerfüllung des Vereins auszugeben und die Verwendung verhältnismäßiger Rücklagen in der Mitgliederversammlung abzustimmen und zu dokumentieren. Neben dem Zweck des Vereins kann ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb bestehen (z.B. Einnahmen durch Gastronomie). Wichtig zum Erhalt der Gemeinnützigkeit ist, dass die eigenommenen Gelder für den Zweck des Vereins nicht den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb speisen. Zudem sollten die Mitgliedsbeiträge nicht geringer sein, als Vergünstigungen für Mitglieder des Vereins.

Des Weiteren informierte Chris Mielke darüber, dass Vereine nicht selbst spenden dürfen.

Bei Unsicherheiten rät die Expertin zu Offenheit gegenüber dem Finanzamt, um sich frühzeitige Einschätzungen einholen zu können.

Vereine können sich unter E.Mail: mielke@soziokultur-niedersachsen.de kostenlos beraten lassen.

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Wirkungsvolle Vereins-Kampagnen auf Facebook und Instagram gestalten

Dieses Thema bearbeitete Prof. Dr. Anne-Kristin Langner von der IU Internationalen Hochschule.Um es vorweg zu sagen: es macht Arbeit, ist zeitintensiv und bedarf einer kontinuierlichen Pflege, Präsens und Aktivität, z.B. durch Umfragen und viele Fotos. Wer das nicht leisten kann, der gründet lieber eine Messengergruppe, z.B. über Signal. Das ist leicht gemacht, kostenfrei und es können QR Codes erstellt werden, die man in der Umgebung einfach verbreiten kann. Wer jedoch Lust hat seine Zeit für eine Instagram Seite einzubringen, für den hier ein paar Tipps zum Start:

-      Eine gute Beschreibung mit Tipps findet sich auch in der kostenfreien Vereinszeitung von Benedetto www.deutsches-ehrenamt.de

-      Canva Com bietet eine kostenfreie Version von Designvorlagen: www.canva.com

 

Vorweg ein paar Begrifflichkeiten: Feed = Profil, Captain = Text, Story = Highlight, Paid Media = Kampagnen (diese verursachen Kosten)

-      Kampagne starten: bei Facebook über den Business Manager ein Profil anlegen, das ist für Facebook und Instagram nicht mit Kosten verbunden. Anzeigen schalten kostet Geld

-      Instagramprofil anlegen (Feed)

-      Ausdrucksvolle Bilder sammeln

-      Storys filmen (Achtung: Die Story bleibt nur 24 Stunden sichtbar. Insbesondere jüngere Nutzer*innen interessieren Storys)

-      Storyanzeigen bekommt man für ein kleines Budget

-      Earned Media = Fans/Follower gewinnen, die die Seite teilen. Diese z.B. durch ein Gewinnspiel dazu anregen. Z.B. Klick in den nächsten 24 Stunden auf den Button, dann erhältst du einen Kaffee gratis. Je mehr die Seite geteilt wird, umso günstiger werden die Kampagnen (da die Algorithmen drauf reagieren)

-      Follow4Follow- Prinzip: Schreibe Nachrichten, um Nachrichten zurück zu bekommen. Ziel sollte es sein 1000 Follower zu haben, ab dann nimmt dich das System bei Suchbegriffen auf die Vorschlagsliste.

-      Touchpoints (AIDA): Schaffe Aufmerksamkeit, wecke Interesse, wecke einen Wunsch, der dann zu einer Aktion führt.

-      Mit dem Tool „Buffer“ ist es möglich, Texte vorzuproduzieren

-      Arbeite viel mit icons

-      Suche beim Hashtag nach einem Alleinstellungsmerkmal

-      Das Impressum deiner Seite muss mit 3 Klicks erreichbar sein

-      Mache Umfragen, z.B. bei einer Musikgruppe: Welches Lied spielen wir nächste Woche.

-      Bringe Fun Facts ein, wusstet ihr z.B., dass Calvados aus Äpfeln gemacht ist?

-      Legt Kategorien an, z.B. montags erscheint immer ein Zitat.

Instagram wird derzeit bei den 16 – 35 jährigen genutzt, während Facebook von Ü39 Jahren genutzt wird.

Was das Leinebergland mit dem Projekt auf den Weg gebracht hat, ist eine Anregung auch für andere hier aktiv zu werden.

Wer sich auf den Weg machen möchte Visionen zu suchen und Neues zu wagen oder Altes zu überprüfen hat auch die Möglichkeit eine Zukunftswerkstatt mit dem Bürgerschaftlichen Engagement des Landkreises zu planen und das kostenfrei. Kontakt: Barbara.Benthin@Landkreishildesheim.de

                                                                                                       Barbara Benthin, Sina Stanzel

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