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Talentiert und engagiert: Anke Gue

Die begeisterte Fahrradfahrerin hat als Fahrradrikscha-Pilotin ihr Projekt gefunden, bei dem sie ihr Hobby mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit verbinden kann.


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„Ich habe bisher niemanden erlebt, der nicht mit einem strahlenden Gesicht ausgestiegen ist. Und das schöne ist, nicht nur die Fahrgäste strahlen über beide Ohren, sondern auch die Rikscha-Pilotin.“ Seit Mai 2021 ist Anke Gue als Rikscha-Pilotin für das Projekt „KulTour(en): Gemeinsam er-fahren mit Rikscha & Bus“ der Malteser in Hildesheim unterwegs.

Das Projekt wird von der Aktion Mensch gefördert und bietet Fahrdienste für Menschen mit Beeinträchtigungen an. Dafür stehen neben den Malteser-Bussen auch Fahrradrikschas zur Verfügung, mit denen sowohl verschiedene Touren durch Hildesheim unternommen werden als auch ein Fahrdienst zu kulturellen Veranstaltungen angeboten wird. Das Team besteht aus dem Projektleiter Thomas Krause, den Projektkoordinatorinnen Benita Hieronimi und Tinka Dittrich und fünfzehn Rikscha-Pilot*innen, die sich ehrenamtlich bei dem Projekt engagieren. Eine von ihnen ist die 56-jährige Anke Gue. Die zweifache Mutter und vierfache Großmutter berichtet begeistert von den vielen bereichernden Erfahrungen, die sie als Rikscha-Pilotin macht.

„Ich habe in meinem Leben sehr viel Glück gehabt und war schon lange auf der Suche nach einer passenden Möglichkeit, um mich ehrenamtlich zu engagieren.“ erzählt Anke Gue. Durch einen Artikel in der HiAZ stieß sie auf das Projekt KulTour(en) und war sofort begeistert. „Mein erster Gedanke war: Super! An dem Projekt steht quasi mein Name!“  Als begeisterte Fahrradfahrerin, die gern an der frischen Luft unterwegs ist und in ihrer Freizeit Touren mit dem Renn- und Crossrad unternimmt, freut sie sich, ihr Hobby mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit verbinden zu können.

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Bei einer Schulung durch die Malteser lernte Anke Gue das Projekt dann genauer kennen und saß zum ersten Mal auf einer Fahrradrikscha. Die Rikschas bieten Platz für zwei Fahrgäste, haben eine Elektro-Unterstützung, ein Verdeck und eine wasserfeste Decke. Sie können bis zu 230 kg bewegen und wiegen schon ohne Fahrgäste 65 kg. Es gehört dementsprechend einiges an Übung dazu, die Rikschas steuern und auch auf unebenem Untergrund kontrollieren zu können. Kein Wunder also, dass Anke Gue bei ihrem ersten Fahrtraining ein wenig ins Straucheln geriet und am Anfang noch etwas Respekt vor der Aufgabe hatte. Das konnte sie jedoch nicht abhalten! Im Mai 2021 wurde sie eine der ersten Rikscha-Pilot*innen im Projekt KulTour(en) und ist seitdem auf verschiedenen Routen in Hildesheim unterwegs. Im Winter, wenn wetterbedingt nicht so viele Touren gefahren werden können, meist ein bis zwei Mal im Monat.

Hauptberuflich arbeitet Anke Gue als Beamtin bei der Unteren Wasserbehörde der Stadt Hildesheim und ist deswegen besonders gern  auf der sogenannten Wasserroute unterwegs. „Dabei fahren wir an verschiedenen Hildesheimer Gewässern entlang und erzählen etwas zu den Gewässern und den Sehenswürdigkeiten auf unserem Weg.“ Die Route führt einmal durch ganz Hildesheim, unter anderem vorbei am Liebesgrund, dem Seniorengraben und dem Hohnsensee. Andere Touren führen sie beispielsweise zur Nordstadtwandgalerie oder über die Kirchen, Kunst & Kuchen – Route.

Für Anke Gue ist das Ehrenamt eine große Bereicherung und sie möchte es unbedingt weiterführen. Besonders gut gefällt ihr, dass sie viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Perspektiven und Geschichten kennenlernt. Auch die Zusammenarbeit mit dem Team der Malteser motiviert sie. „Wir sind bei den Maltesern sehr herzlich aufgenommen worden! Das sind einfach tolle Menschen, die dieses Projekt wirklich leben, die Begeisterung dafür in sich tragen und weitergeben! Das steckt natürlich an!“

Sehr schön und bereichernd ist auch der Austausch mit den anderen Pilot*innen. Ganz besonders, weil sich Menschen ganz unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Lebenszusammenhängen dort gemeinsam engagieren. „Wir haben uns auch schon ein paar Mal getroffen um Erfahrungen auszutauschen und Vorschläge einzubringen und es hat sich eine sehr nette Gruppe ergeben.“

Nicht zuletzt bestärkt Anke Gue die Freude ihrer Fahrgäste immer wieder aufs Neue. „Ich habe bisher niemanden erlebt, der nicht mit einem strahlenden Gesicht ausgestiegen ist. Und das schöne ist, nicht nur die Fahrgäste strahlen über beide Ohren, sondern auch die Rikscha-Piloten. Es ist wirklich beglückend!“

Für die Zukunft hofft Anke Gue, dass wieder mehr kulturelle Veranstaltungen möglich werden, zu denen sie mit ihren Fahrgästen fahren kann. Außerdem würde sie sich freuen, wenn auch ältere Menschen in den Genuss eines Rikscha-Fahrdienstes kämen. Die Malteser wollen auch ein Projekt für diese Zielgruppe aufbauen, dafür wird aber noch ein ehrenamtliches Leitungsteam gesucht, außerdem wird Geld für eine weitere Rikscha benötigt. „Wenn ich an meinen Vater zurückdenke, der nicht mehr so gut laufen konnte, wäre es toll gewesen, wenn ich ihn hätte durch die Stadt fahren können!“

Zu ihrem tatkräftigen Einsatz als Ehrenamtliche passt auch ihre Lebensphilosophie: „Wenn ich mir etwas vornehme, dann versuche ich es auch relativ schnell umzusetzen. Ich schiebe wenig auf. Ich denke, besser jetzt als später!“

Sophie Radde


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