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Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement verbessern

Dies hat sich die Enquetekommission des niedersächsischen Landtags auf die Fahnen geschrieben und in einem umfangreichen Bericht dargelegt.

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Bernd und Petra 2

Im Rahmen der Newsletterfeier „10 Jahre Newsletter Bürgerschaftliches Engagement in Stadt und Landkreis – ein Netzwerk mit Bestand“, hat der Landrat Bernd Lynack (ehemaliges Mitglied der Enquetekommission) schon vorweg genommen, dass ihm das Bürgerschaftliche Engagement im Landkreis Hildesheim am Herzen liegt und er sich in den nächsten Jahren für eine stärkende Struktur einsetzen wird, die den Engagierten zu Gute kommen soll.

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Petra Tiemann

Petra Tiemann, Kommissionsvorsitzende der Enquetekommission, gab einen lebendigen und praktischen Einblick, wie die Zukunft des Engagements mehr unterstützt werden soll und hatte einen Wunsch: „Wer den Gesamtbericht  (Bericht-der-Enquetekommission) liest und noch feststellt, dass ein Bereich nicht gesehen wurde, der wird aufgefordert, dies mitzuteilen.

Eine Demokratie lebt vom solidarischen, gemeinwohlorientierten Handeln. Das Engagement macht das Leben vor Ort lebenswerter, sorgt dafür, dass niemand aus der Gesellschaft ausgeschlossen wird und macht, dass die Welt ein besserer und gerechterer Ort wird. Die Engagierten erleben ihr Tun als sinnstiftend und dies gibt Stärke und Mut und bereitet auch Freude, trotz manchen Steinen, die im Weg liegen.

Einige dieser Steine möchte die Enquetekommission aus dem Weg räumen. Der Überblick der Handlungsempfehlungen lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Die strategischen Maßnahmen

Die Unterstützung durch Hauptamtliche, die die Freiwilligenarbeit und das Ehrenamt als systemische Gemeinschaftsaufgabe voran bringen.

Entwickelt werden sollen Kampagnen, die die Energie von Bevölkerungsgruppen freisetzen sollen, die bislang im Ehrenamt eher weniger abgebildet werden. Dazu zählen in den städtischen Regionen jüngere Menschen und in   den ländlichen Regionen Personen über 60 Jahren. Zudem konnte festgestellt werden, dass das Engagement für Menschen aus sozialbenachteiligten Milieus u.a. mit Blick auf die soziale Teilhabe eine besondere Funktion erfüllen kann. Barrierefreie Zugänge zu ehrenamtlicher Arbeit für Menschen mit Beeinträchtigung, verbesserte Übergange zwischen Engagement und Erwerbsarbeit sowie die Sichtbarkeit von Frauen durch Mentoringprogramme sollen durch Projekte zur Modernisierung der Förderstrukturen und entsprechende Initiativen auf den Weg gebracht werden. Ferner sollen Strukturen geschaffen werden, die eine hauptamtliche Begleitung von ehrenamtlichen Engagement ermöglichen.

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Die Einrichtung einer Koordinierungsstelle, die als zentraler Ansprechpartner des Landes für Vereine, Verbände und Initiativen fungiert.

Die Stelle soll dazu dienen zentrale Projekte wie z.B. die Engagementstrategie des Landes, Maßnahmen zur Entbürokratisierung oder die Anerkennungskultur koordiniert.

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Aufwertung des bestehenden Niedersachsenring als themen- und fachübergreifender Verbund.

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Fluides Engagement unterstützen

Die Entwicklung des projektbezogenen Engagements soll gleich den „klassischen“ Vereinen unterstützt werden, z.B. bei der Gewinnung neuer Zielgruppen oder bei der Bewältigung von Verwaltungsarbeit.

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Förderung und Verfahrensvereinfachung:

Digitalisierung

Kleinere Vereine brauchen Ausstattung und Qualifikation. Der FreiwilligenServer  kann zu einem Ehrenamtsportal erweitert werden.

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Versicherung

Der Rahmenvertrag mit der VGH soll erweitert werden, um eine Vermögenshaftpflicht für Vorstände und Personen in einem öffentlichen Ehrenamt, eine Dienstreisehaftpflicht  der KFZ-Versicherung im Ehrenamt, eine Rechtsschutzversicherung und eine Veranstaltungshaftpflichtversicherung.

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Tranparenzregister

Um den bürokratischen Aufwand zu minimieren sollen Einträge ins Vereinsregister automatisch ins Transparenzregister erfolgen.

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Datenschutz

Pragmatische Entlastungen von Aufgaben wie z.B. die Ausweitung des „Medienprivilegs“  für die Öffentlichkeitsarbeit der Vereine sollen auf den Weg gebracht werden. Auch ein Datenschutzbeauftragter muss erst benannt werden, wenn mehr als 20 Personen 50% ihrer Arbeitszeit mit der Verarbeitung personenbezogener Daten verbringen.

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Entbürokratisierung

Kleinprojektefonds sollen geschaffen werden, mehrjährige Förderungen erleichtert werden, sowie die Übertragung von Fördermitteln ins nächste Jahr ermöglicht werden.

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Gemeinnützigkeitsrecht

Empfohlen wird die Einführung eines abgestuften Sanktionssystems, das erst bei schweren Verstößen den Verlust des Gemeinnützigkeitstatus zur Folge hat.

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Sicherung  finanzieller Förderungen

Die Einbringung von Eigenanteilen in Form von einer sogenannten Muskelhypothek wird als sinnvoll angesehen.

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Hauptamtliche Begleitstrukturen

Unter anderem sind für den Einsatz von qualifiziertem Personal in der Ehrenamtskoordination und im Freiwilligenengagement ausreichende finanzielle Förderungen zur Verfügung zu stellen.

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Vielfalt

Anerkennung durch Juleica und Ehrenamtskarte

Der einfachere Erwerb der der JuLeiCa und der Ehrenamtskarte für junge Menschen soll beispielsweise forciert und in diesem Zusammenhang Vergünstigungen ausgebaut werden

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Kostengünstige Jugendtickets

Eine Einführung für ganz Niedersachsen für  Juleicainhaber*innen bis 25 Jahren sowie Menschen, die einen Freiwilligendienst leisten wird angestrebt.

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Ehrenamt in der Schule

Eine Vernetzung von Organisationen und Schule soll u.a. curricular verankert werden.

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Ausbau von Mentoringprogrammen

Mentoringprogramme sollten erweitert werden.

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Unterstützung unterrepräsentierter Gruppen

Eine verstärkte Ansprache von  unterrepräsentierten Gruppen soll gefördert werden.

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Wie die Umsetzung der Empfehlungen verlaufen wird, das bleibt jetzt die spannende Frage.

Barbara Benthin

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